Dienstag, 15. September 2020

Amigo

Nachdem ich mir vorgenommen hatte so viel wie möglich zu schlafen, stellte ich das Radio an und ließ mich berieseln. Sie erzählten gerade von einem Typen namens Bruno und wie er als Junge obdachlos war und mit dem Hunger kämpfte. Eines Nachts schlich er sich in eine leere Scheune, weil er fror und auf der Suche nach einem sicheren Platz zum Übernachten war. Da kam ein Streuner mit derselben Idee in die Scheune und legte sich zu ihm. Beide überlebten. Später schaffte es Bruno irgendwie auf die Uni, studierte Medizin und wurde Arzt. Und eines Tages, als Bruno gerade erschöpft im Bett lag, kratzte ein alter Hund an seine Tür, bis er sie öffnete. Der Hund lief hinein, legte sich zu seinen Füßen und starb. Er begrub ihn hinterm Haus und steckte ein kleines Kreuz in den Boden, in welches er das Wort "Amigo" geschnitzt hatte. Und als er Vater eines Sohnes wurde, schenkte er ihm einen kleinen Welpen und sagte zu ihm: "Pass gut auf ihn auf und er wird dasselbe für dich tun!". Als ich irgendwann völlig verschwitzt wieder aufwachte, dachte ich an meinen ersten Hund und wie ich mit ihm spielte und Gassi ging und wie er bei mir im Bett schlief, wenn es kalt gewesen war. Und für einen kurzen Moment war es mir so, als wäre er gerade noch dagewesen. Dann legte ich mich wieder hin und hoffte das Beste für all die Brunos y Amigos da draußen und schlief wieder ein.

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